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PARD

Postakute Folgen des stationären Delirs im höheren Lebensalter

Routinedatenbasierte Analyse von Langzeitkosten, Versorgungspfaden und Outcomes nach Delir in Deutschland

Institutionen Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) · UKSH Klinik für Neurologie
Datenbasis FDZ Gesundheit · GKV-Routinedaten · ~74 Mio. Versicherte
Studienregistrierung DRKS00039497
32%
der hospitalisierten Personen über 65 Jahren sind betroffen
Fuchs et al., Gen Hosp Psychiatry 2020
OR 2,55
erhöhte 1-Jahres-Mortalität nach stationärem Delir
Tesfaye et al., Age Ageing 2025
OR 5,6
erhöhtes Demenzrisiko nach stationärem Delir
Tesfaye et al., Age Ageing 2025
~250 Tsd.
kodierte Delirfälle pro Jahr in deutschen Krankenhäusern
Fuchs et al., Gen Hosp Psychiatry 2020
Trotz erheblicher Langzeitfolgen und bestehender Nachsorgeempfehlungen fehlen in Deutschland evidenzbasierte Daten zu postakuten Versorgungspfaden und Gesundheitskosten nach stationärem Delir. Diese Studie schließt diese Lücke erstmals anhand von Realdaten aller gesetzlich Versicherten.

Forschungslücke und Relevanz

Das Delir ist ein akutes, fluktuierendes neurokognitives Syndrom, das ältere, hospitalisierte Patienten überproportional häufig betrifft und mit erhöhter Mortalität, Pflegebedürftigkeit und Demenzrisiko assoziiert ist. Bisherige gesundheitsökonomische Analysen aus Deutschland beschränken sich auf stationäre Akutkosten; modellbasierte Schätzungen zu gesellschaftlichen Langzeitkosten basieren auf selektiven Stichproben und methodisch limitierten Annahmen.


Mit Gründung des Forschungsdatenzentrums (FDZ) Gesundheit und der Aggregation von GKV- und Pflegeroutinedaten von rund 74 Millionen Deutschen kann diese Forschungslücke erstmals auf Basis repräsentativer Realdaten geschlossen werden. PARD nutzt dieses Datenpotenzial, um postakute Versorgungsrealität und Langzeitkosten nach stationärem Delir zu quantifizieren.

Drei zentrale Forschungshypothesen

FF1
Gesundheitskosten

Unterscheiden sich die postakuten, sektorenübergreifenden Gesundheits- und Pflegekosten von Personen nach stationärem Delir von denen einer parallelisierten Kontrollgruppe ohne Delir?

FF2
Klinische Outcomes

Zeigen Personen nach stationärem Delir höhere Raten für Mortalität, Demenz und Institutionalisierung innerhalb eines Jahres im Vergleich zu einer parallelisierten Kontrollgruppe?

FF3
Versorgungspfade

Wie gestalten sich die poststationären Versorgungspfade nach stationärem Delir in der Realversorgung – und inwiefern weichen diese von bestehenden Leitlinienempfehlungen ab?

Verwandte Forschung & Publikationen

PARD baut auf einem wachsenden internationalen Evidenzkörper auf. Die folgende Auswahl zentraler Publikationen zeigt eine Übersicht relevanter und verwandter Forschung, auf die PARD aufbaut.

Systematisches Review & Meta-Analyse
Long-term clinical outcomes of delirium after hospital discharge
Tesfaye Y, Davis CR, Hull MJ et al.
Age and Ageing, 2025 · doi:10.1093/ageing/afaf188

Bisher umfangreichste Synthese zu postakuten klinischen Outcomes nach Krankenhausdelir (253 Studien, ~30.000 Delir-Patient:innen). Erhöhte Raten für Mortalität (OR 2,55), Institutionalisierung (OR 2,80) und Demenz (OR 5,37). Grundlage der PARD-Kennzahlen.

Prävalenzerhebung · Deutschland
Delirium in elderly patients: Prospective prevalence across hospital services
Fuchs S, Bode L, Ernst J et al.
General Hospital Psychiatry, 2020 · doi:10.1016/j.genhosppsych.2020.08.010

Prospektive Prävalenzstudie in deutschen Krankenhäusern: bis zu 32 % der hospitalisierten Personen über 65 Jahren sind betroffen. Liefert die epidemiologische Grundlage für die PARD-Studienpopulation.

Gesundheitsökonomie · USA
One-year health care costs associated with delirium in the elderly
Leslie DL, Marcantonio ER, Zhang Y et al.
Archives of Internal Medicine, 2008 · PubMed

Erste systematische Quantifizierung der 1-Jahres-Gesamtkosten nach Krankenhausdelir über alle Versorgungssektoren (stationär, ambulant, Pflegeheim). Patientenbezogene Mehrkosten von bis zu 64.000 USD. Vergleichbare Routinedatenanalyse für Deutschland fehlt bislang.

Gesundheitsökonomie · Deutschland
What does delirium cost? An economic evaluation of hyperactive delirium
Weinrebe W, Johannsdottir E, Karaman M, Füsgen I
Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 2016 · doi:10.1007/s00391-015-0871-6

Bislang einzige deutsche Kostenanalyse zum hyperaktiven Delir – beschränkt auf stationäre Akutkosten. Postakute und sektorenübergreifende Kosten wurden nicht erfasst. PARD schließt diese Lücke.

Modellbasierte Kostenschätzung · Deutschland
A Model-Based Estimation of Annual Long-Term Care Costs Following POCD in Elderly Patients
Simon AW, Palte M, Stöhr C et al.
Journal of Public Health International, 2021 · doi:10.14302/issn.2641-4538.jphi-21-3765

Modellbasierte Schätzung gesellschaftlicher Langzeitkosten nach postoperativer kognitiver Dysfunktion – methodisch limitiert durch modellierte Annahmen und selektive Stichprobe. Unterstreicht den Bedarf an Realdaten-basierten Analysen wie PARD.

Narrative Review · Kosten & soziale Folgen
The financial and social costs of delirium
Caplan GA, Teodorczuk A, Streatfeild J et al.
International Psychogeriatrics, 2020 · PubMed

Überblick über die finanziellen und sozialen Folgekosten des Delirs für Gesundheitssystem, Patient:innen und pflegende Angehörige. Schätzt, dass Delir bis zu 10 % aller Demenzfälle verursacht – mit entsprechenden Langzeitkosten für die Pflege.

Meta-Analyse · Mortalität
A call to action for delirium research: Meta-analysis and regression of delirium associated mortality
Aung Thein MZ et al.
BMC Geriatrics, 2020 · doi:10.1186/s12877-020-01723-4

Bislang größte Meta-Analyse zu Delir und Mortalität (71 Studien). Ältere Inpatient:innen mit Delir hatten deutlich erhöhte Sterbewahrscheinlichkeit (OR 3,18). Trotz 30 Jahren Forschungsfortschritt hat sich die delirbedingte Krankenhausmortalität nicht verändert – ein starkes Argument für Versorgungsverbesserung.

Routinedaten · Undercoding
Delirium is under-reported in discharge summaries and in hospital administrative systems: a systematic review
Ibitoye T et al.

Dokumentationsraten in Entlassungsbriefen: 0,1–64 %, ICD-Kodierungsraten in Abrechnungssystemen: nur 1,5–49 %. Direkt relevant für PARD: belegt das Ausmaß des Undercodings, das in den Sensitivitätsanalysen adressiert wird.

Routinedaten · ICD-Validierung
Characterizing medical patients with delirium: A cohort study comparing ICD-10 codes and a validated chart review method
Sheehan KA et al.

ICD-10-Kodierung erfasste nur 6,3 % der Fälle vs. 25,7 % per Chartanalyse (Sensitivität 24 %). Liefert die empirische Grundlage für PARD's Sensitivitätsanalysen und belegt die methodische Herausforderung routinedatenbasierter Delirforschung.

Kohortenstudie · Institutionalisierung
Delirium is a risk factor for institutionalization and functional decline in older hip fracture patients
Krogseth M et al.
Journal of Psychosomatic Research, 2014 · doi:10.1016/j.jpsychores.2013.11.009

Prospektive Studie bei Hüftfrakturpatient:innen (n=207): Delir war der stärkste unabhängige Prädiktor für Institutionalisierung nach 6 Monaten (AOR 5,50). Hochrelevant für PARD's Subgruppenanalyse zur hüftgelenknahen Femurfraktur.

Studiendesign und Analysen

Studiendesign & Population

  • Retrospektive Kohortenstudie auf Basis von GKV-Routinedaten (FDZ Gesundheit, Datenmodell 3/4)
  • Einschluss: GKV-Versicherte ≥ 65 Jahre mit stationär kodiertem Delir (ICD-10: F05.1–F05.9) ab Berichtsjahr 2023
  • Parallelisierte Kontrollgruppe ohne Delir mittels Propensity-Score-Matching (Alter, Geschlecht, Komorbidität, Haupt-/Nebendiagnosen, OPS-Codes)
  • Subgruppenanalyse: Hochrisiko-Prozeduren/Diagnosen (z.B. hüftgelenknahe Femurfraktur)

Datenbasis: FDZ Gesundheit · Datenmodell 3 und 4 · Pseudonymisierte Routinedaten aller gesetzlich Versicherten in Deutschland · Integration von Pflege- und Heilmitteldaten ab DM4 (erwartet Q2 2026)

Statistische Analysen

  • Deskriptive Statistik und Verteilungsanalysen der Basischarakteristika
  • Zeit-bis-Ereignis-Modelle: Kaplan-Meier, Cox-Regression, Competing-Risk-Modelle für Mortalität, Demenz und Institutionalisierung
  • Multivariable Kostenregressionen (Gamma-Verteilung, Log-Link) für direkte Gesundheitskosten aus Versichererperspektive
  • Versorgungspfadanalyse über ambulante, stationäre und pflegerische Leistungsbereiche
  • Bias-Kontrolle: Propensity-Score-Matching und Inverse-Probability-Weighting
  • Sensitivitätsanalysen zur Adressierung des bekannten Delir-Undercodings
  • Open-Source-Publikation des statistischen Referenzmodells (GitHub)

Projektphasen · 18 Monate

M 1–4
Vorbereitung
Institutionsregistrierung, FDZ-Antrag, Tabellendefinition, Datenmodellprüfung
M 5–7
Datenzugang & Skriptentwicklung
SQL-Skripte (Public Use File), Matching-Algorithmus
M 8–9
Hauptanalyse
Analyse in der sicheren FDZ-Umgebung, Datenexport
M 10–14
Sekundäranalysen
Versorgungspfade, Kostenanalyse, Subgruppen, Sensitivitätsanalysen, Visualisierung
M 15–18
Publikation
Modellvalidierung, Manuskripterstellung, Open-Access-Einreichung, Code-Veröffentlichung
Aktueller Status (Februar 2026): Projektskizze und Ethikantrag eingereicht · Vorbereitung FDZ-Antrag läuft · Datenzugang DM4 erwartet Q2 2026 · Geplanter Projektstart: Juli 2026

Beteiligte Personen

Nikolas Groth
Doktorand · PI
MSB Medical School Berlin
PD Dr. med. Alexander Seiler
Betreuer
Oberarzt & Leiter Neurovaskuläres Zentrum
Klinik für Neurologie · UKSH Campus Kiel
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU)
Forschungsschwerpunkte (u.a.): Klinische Schlaganfallforschung
PD Dr. rer. hum. biol. Peter Nydahl
Betreuer
Pflegewissenschaftler · UKSH Campus Kiel
Pflegeforschung, angegliedert an den Vorstand für Krankenpflege und Patientenservice
Forschungsschwerpunkte (u.a.): Frührehabilitation & Intensivpflege
Träger des Deutschen Pflegepreises 2024

Projektdokumente

Verfügbare Projektdokumente können hier heruntergeladen werden. Weitere Materialien werden im Projektverlauf ergänzt.

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Verfügbar
Projektskizze
Kurzdarstellung des Projekts mit Hintergrund, Zielen, Methodik und Zeitplan.
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📊
Folgt
Studienprotokoll
Vollständiges Studienprotokoll nach Datenzugang und FDZ-Antragsgenehmigung.
In Vorbereitung
💻
Folgt
Statistisches Analysemodell
Open-Source-Referenzmodell zur freien Nutzung durch andere Forschungsgruppen (GitHub).
Nach Publikation
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Folgt
Publikationen
Alle peer-reviewten Open-Access-Publikationen des Projekts werden hier zum Download bereitgestellt.
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