Retrospektive Kohortenstudie zu Gesundheits- und Pflegekosten, Versorgungspfaden und klinischen Endpunkten (Mortalität, Demenz, Institutionalisierung) im ersten Jahr nach stationär dokumentiertem Delir bei GKV-Versicherten ab 65 Jahren, auf Basis der Routinedaten des Forschungsdatenzentrums Gesundheit.
Das Delir ist ein akutes, fluktuierendes neuropsychiatrisches Syndrom mit Störung von Aufmerksamkeit und Bewusstsein, das überwiegend ältere, hospitalisierte Patienten betrifft. In deutschen Krankenhäusern liegt die Prävalenz bei Patienten über 65 Jahren je nach Fachabteilung bei bis zu 32 % (Fuchs et al. 2020). Ein stationäres Delir ist mit erhöhter Mortalität, Institutionalisierung und inzidenter Demenz assoziiert (Tesfaye et al. 2025; Aung Thein et al. 2020). Gesundheitsökonomische Analysen aus Deutschland beschränken sich bislang auf die Kosten des Indexaufenthalts (Weinrebe et al. 2016); Schätzungen zu Langzeitkosten beruhen auf Modellierungen mit selektiven Stichproben (Simon et al. 2021). Sektorenübergreifende Einjahreskosten wurden bisher nur für die USA berichtet (Leslie et al. 2008).
Mit dem Forschungsdatenzentrum (FDZ) Gesundheit stehen die pseudonymisierten Abrechnungs- und Pflegedaten von rund 74 Millionen gesetzlich Versicherten für Sekundärdatenanalysen zur Verfügung. PARD nutzt diese Datenbasis, um postakute Versorgungspfade, Kosten und klinische Endpunkte nach stationärem Delir erstmals bevölkerungsbezogen für Deutschland zu quantifizieren. Die vollständigen Literaturangaben finden sich im Abschnitt Bestehende Evidenz.
Die Studie bearbeitet drei voneinander abgegrenzte Forschungsfragen mit jeweils eigener Auswertung.
Unterscheiden sich die sektorenübergreifenden Gesundheits- und Pflegekosten im ersten Jahr nach stationärem Delir von denen einer gematchten Kontrollgruppe ohne Delir?
Unterscheiden sich Mortalität, inzidente Demenz und Institutionalisierung innerhalb von zwölf Monaten nach stationärem Delir von der Kontrollgruppe?
Wie verlaufen die poststationären Versorgungspfade nach Delir in der Regelversorgung, und inwieweit entsprechen sie den Leitlinienempfehlungen zur Nachsorge?
Ausgewählte Arbeiten zur Epidemiologie, zu den Langzeitfolgen und zur gesundheitsökonomischen sowie methodischen Ausgangslage der Studie.
Systematisches Review und Meta-Analyse (253 Studien, n ≈ 30.000 mit Delir). Gepoolte Odds Ratios nach Entlassung: Mortalität 2,55, Institutionalisierung 2,80, Demenz 5,37.
Prospektive Punktprävalenzerhebung in deutschen Krankenhäusern; Delirprävalenz bei Patienten über 65 Jahren je nach Fachabteilung bis 32 %.
Sektorenübergreifende Einjahreskosten nach Krankenhausdelir in einer US-Kohorte (stationär, ambulant, Pflegeheim); adjustierte Mehrkosten bis 64.000 USD pro Patient. Für Deutschland liegt keine vergleichbare Analyse vor.
Bislang einzige deutsche Kostenanalyse zum Delir; beschränkt auf die Kosten des Indexaufenthalts, ohne postakute Sektoren.
Modellbasierte Schätzung jährlicher Pflegekosten nach postoperativer kognitiver Dysfunktion in Deutschland; limitiert durch Modellannahmen und selektive Stichprobe.
Narratives Review zu finanziellen und sozialen Folgekosten des Delirs für Gesundheitssystem, Patienten und Angehörige; schätzt den delirattributablen Anteil an Demenzfällen auf bis zu 10 %.
Meta-Analyse und Meta-Regression (71 Studien): Delir bei älteren stationären Patienten mit erhöhter Mortalität assoziiert (OR 3,18); kein Rückgang der delirassoziierten Mortalität über drei Jahrzehnte.
Systematisches Review zur Untererfassung: Dokumentation in Entlassungsbriefen 0,1–64 %, ICD-Kodierung in administrativen Daten 1,5–49 %. Grundlage der Sensitivitätsanalysen zur Unterkodierung.
Kohortenstudie: ICD-10-Kodierung identifizierte 6,3 % der Fälle gegenüber 25,7 % im validierten Chart Review (Sensitivität 24 %). Quantifiziert die Untererfassung des Delirs in Routinedaten.
Prospektive Kohorte älterer Hüftfrakturpatienten (n = 207): Delir als stärkster unabhängiger Prädiktor für Institutionalisierung nach sechs Monaten (AOR 5,50). Referenz für die Subgruppenanalyse zur hüftgelenknahen Femurfraktur.
Retrospektive Kohortenstudie auf Basis der GKV-Routinedaten des FDZ Gesundheit. Die Expositionskohorte umfasst gesetzlich Versicherte ab 65 Jahren mit stationär kodiertem Delir (ICD-10-GM F05) ab dem Berichtsjahr 2023. Die Kontrollkohorte besteht aus stationären Fällen ohne Delirkodierung und wird mittels Propensity-Score-Matching nach Alter, Geschlecht, Komorbidität (Elixhauser), Haupt- und Nebendiagnosen sowie Prozeduren (OPS) gebildet. Der Beobachtungszeitraum beträgt zwölf Monate ab Entlassung. Primäre Endpunkte sind die sektorenübergreifenden direkten Kosten aus Perspektive der Kranken- und Pflegeversicherung sowie Mortalität, inzidente Demenz und Institutionalisierung; sekundär werden die Inanspruchnahme ambulanter, stationärer und pflegerischer Leistungen und daraus abgeleitete Versorgungspfade erfasst.
Datenbasis: FDZ Gesundheit, Datenmodell 4 (Abrechnungsdaten nach § 303a ff. SGB V einschließlich Pflege- und Heilmitteldaten, pseudonymisiert). Die Analysen erfolgen ausschließlich in der gesicherten Verarbeitungsumgebung des FDZ; exportiert werden aggregierte Ergebnisse nach Output-Kontrolle durch das FDZ.
Zeit-bis-Ereignis-Endpunkte werden mit Kaplan-Meier-Schätzern und Cox-Regressionen analysiert; für inzidente Demenz und Institutionalisierung werden Competing-Risk-Modelle mit Tod als konkurrierendem Ereignis verwendet. Die Kostenanalyse erfolgt mit generalisierten linearen Modellen (Gamma-Verteilung, Log-Link). Versorgungspfade werden deskriptiv über die ambulanten, stationären und pflegerischen Leistungsbereiche abgebildet und den Leitlinienempfehlungen zur Nachsorge gegenübergestellt.
Zur Kontrolle von Confounding wird ergänzend Inverse Probability Weighting eingesetzt. Sensitivitätsanalysen adressieren die dokumentierte Unterkodierung des Delirs in administrativen Daten. Eine vorab definierte Subgruppenanalyse betrifft Patienten mit hüftgelenknaher Femurfraktur. Der Analysecode wird mit der Publikation als Open Source veröffentlicht.
Geplante Projektlaufzeit: 18 Monate ab Datenzugang.
Projektdokumente werden im Verlauf der Studie ergänzt.